Wenn
du mich ansahst, hab ich gelacht,
gehofft, dass dir das Freude macht.
Mit kleinen Fingern hielt ich deine Hand
und wünschte, dass uns das zusammenband.
Ich habe für dich Blumen gepflückt
und mich tief vor dir gebückt.
Bunte Bilder habe ich für dich gemalt
und mit meinen Tränen deinen Zorn bezahlt.
Ich habe die Sterne für dich vom Himmel geholt,
aber du hast mich nicht gewollt.
Bonbons
und Lakritz hab ich für dich geklaut,
im Garten für uns eine Höhle gebaut,
ich hab Schokolade gerne mit dir geteilt
und deinen Bruder für dich verkeilt.
Ich hab dir mein kleines Kätzchen geschenkt,
verriet dir, woran ich mein Herzchen gehängt.
Ich habe für deine Streiche gebüßt
und zärtlich die Locken auf deiner Stirne geküsst.
Ich habe die Sterne für dich vom Himmel geholt,
aber du hast mich nicht gewollt.
Für
dich verbog ich meinen Lebenslauf
und nahm deine dummen Träume in Kauf.
Ich kochte fast nur noch dein Lieblingsgericht
und deine Launen störten mich nicht.
Für dein Versagen hatt ich noch Lob.
Ich war zärtlich, wenn du manchmal grob.
Weil du es wolltest, machten wir Urlaub am Meer.
Wohin du auch gingst, ich ging hinterher.
Ich habe die Sterne für dich vom Himmel geholt,
aber du hast mich nicht gewollt.
Ich
habe für euch die Sterne vom Himmel geholt,
aber ich habe nur euch gewollt.
Ich
will nicht mehr verzichten
Ich
will nicht mehr verzichten,
mich nicht mehr nach den andern richten.
Solln die machen, was sie wollen -
ich lebe aus dem Vollen.
Wenn
ich in der Frauenzeitschrift lese,
heißt es immer nur Askese.
Sahnetorten, Zuckerkuchen
soll ich auf der Stell verfluchen,
Schinkenbrot und Spiegeleier meiden,
von Butter, Schmalz und Vollfettkäse scheiden.
Statt dessen Magerquark und Früchtetee,
Gemüse, aber nur un peu!
Auch Bier und Schnaps und Wein soll es nicht geben:
Ist das noch ein Leben?
Ich
will nicht mehr verzichten,
mich nicht mehr nach den andern richten.
Solln die machen, was sie wollen -
ich lebe aus dem Vollen.
Wenn
ich in der Modezeitschrift lese,
werd ich immer richtig böse.
Schlabberpullis, weite Röcke
soll ich werfen in die Ecke,
Jerseykleid und Overall verbannen
und nicht mehr in bequemen Größen mich entspannen.
Statt dessen eng anliegend, knapp und kurz,
kein Kleid, nur einen Lendenschurz,
und mehr als Größe sechsunddreißig soll's nicht geben -
Ist das noch ein Leben?
Ich
will nicht mehr verzichten,
mich nicht mehr nach den andern richten.
Solln die machen, was sie wollen -
ich lebe aus dem Vollen.
Wenn
ich in der Kirchenzeitung lese,
ärgert mich die fromme These:
wilde Flirts und Liebeleien
soll ich mir nicht mehr verzeihen.
Die Seitensprünge sollen unterbleiben,
ich soll's nicht mehr mit tollen Kerlen treiben.
Statt dessen Keuschheit üben, treu und brav,
für einen Mann allein das Schaf
und bis ans Ende nur an diesem einen kleben -
Ist das noch ein Leben?
Ich
will nicht mehr verzichten,
mich nicht mehr nach den andern richten.
Solln die machen, was sie wollen -
ich lebe aus dem Vollen.
Manchmal
seh ich mich nach andern Männern um
Manchmal
seh ich mich nach andern Männern um
und träum davon, ich krieg sie rum,
kann sie für mich gewinnen
und mein Leben neu beginnen.
Das wär was in dem Alltagseinerlei -
doch sie gehen ja vorbei.
Dieser
große Blonde mit dem langen Schopf:
wie gern verdreht ich ihm den Kopf.
Ich wollte mich in seinen muskulösen Armen biegen,
mich an seinen breiten Brustkorb schmiegen.
Wir könnten uns vor Lust auf einer Wiese wälzen
und ich mit ihm zu einem Sturm der Leidenschaft verschmelzen!
Manchmal
seh ich mich nach andern Männern um
und träum davon, ich krieg sie rum,
kann sie für mich gewinnen
und mein Leben neu beginnen.
Das wär was in dem Alltagseinerlei -
doch sie gehen ja vorbei.
Sammetbraune
Haut und krauses schwarzes Haar -
wie gern wär ich für ihn Gefahr.
Ich möchte ihn in meine Arme schließen
und seufzend ihn an meiner Brust begrüßen.
Wir könnten zärtlich miteinander spielen
und ich würde seine Wärme auf mir, an mir, in mir fühlen.
Manchmal
seh ich mich nach andern Männern um
und träum davon, ich krieg sie rum,
kann sie für mich gewinnen
und mein Leben neu beginnen.
Das wär was in dem Alltagseinerlei -
doch sie gehen ja vorbei.
Höchstens
zwanzig Jahre ist der Bursche alt,
dem kürzlich meine Sehnsucht galt.
Ich möcht'''' sein ungezügeltes Begehren
so gerne Zärtlichkeit und Lieben lehren
Wir könnten dabei tief in unsre Augen blicken
und ich schrieb ihm mit den Fingern meinen Namen auf den Rücken.
Manchmal
seh ich mich nach andern Männern um
und träum davon, ich krieg sie rum,
kann sie für mich gewinnen
und mein Leben neu beginnen.
Das wär was in dem Alltagseinerlei -
doch sie gehen ja vorbei.
Denkst
du wohl noch an mich?
Denkst
du wohl noch an mich,
wenn im Radio das Lied erklingt,
das diese mädchenhafte Stimme singt?
Erst gestern weint ich dabei bitterlich.
Hast
du vielleicht an mich gedacht,
wenn du Tee aus der gesprungnen Tasse trankst,
die du meinem Ungeschick verdankst?
Ich trink noch immer Früchtetee zur Nacht.
Steht
noch mein Bild auf deinem Tisch,
wo ich schelmisch in dem Sommerkleid
für dich versprühte meine Heiterkeit?
Der schöne Tag hat sich für mich noch nicht verwischt.
Warum
ich das alles wissen will?
Zu gern hört ich zu alledem von dir ein Ja,
dann wüsste ich, ich bin dir nah,
und nur in meinem Herzen ist’s unheimlich still.
Der
Mann meiner Freundin
Der
Mann meiner Freundin ist so ideal.
Ich träume von ihm, so oft ich kann.
Der Mann meiner Freundin, das ist mein Fall.
Ich träume von ihm: das ist ein Mann.
Ich
besuch so gerne meine Freundin,
und wir sind uns wirklich gut,
doch in einem ist sie meine Feindin
und immer auf der Hut.
Ihr Mann, der ist so gut gebaut.
Wenn er in meine Augen schaut,
dann werd ich plötzlich schrecklich schwach
und alle meine Sinne wach.
Ich spüre seine Leidenschaft
und sehne mich nach seiner Kraft,
nach seinem liebevollen Arm,
nach seinem Witz und seinem Charme.
Der
Mann meiner Freundin ist so ideal.
Ich träume von ihm, so oft ich kann.
Der Mann meiner Freundin, das ist mein Fall.
Ich träume von ihm: das ist ein Mann.
Dabei
weiß ich von der guten Freundin,
dass ihr Mann ein Ekel ist
und dass alles, was sie an ihm liebte,
sie jetzt an ihm vermisst.
Ihr Mann hat Falten auf dem Bauch
und schrecklich schnarchen tut er auch.
Er trinkt beim Fernsehn Flaschenbier,
schließt nie die Badezimmertür.
Er läuft in Unterhosen rum
und ist zuhause meistens stumm.
Wenn er spricht, dann nur von Sport.
Sie sagt sie denkt manchmal an Mord.
Der
Mann meiner Freundin ist so ideal.
Ich träume von ihm, so oft ich kann.
Der Mann meiner Freundin, das ist mein Fall.
Ich träume von ihm: das ist ein Mann.
Ich
vertrau zwar gerne meiner Freundin,
doch hierin traue ich ihr nicht.
Sie hält mich wohl für ihrer Liebe Feindin
und führt mich hinters Licht.
Drum werd ich weiterhin probiern,
diesen Traummann zu verführn.
Ich zwinkere ihm heimlich zu
und mach mit ihm ein bisschen Schmu,
gebrauche meinen Reiz und Charme
und locke ihn in meinen Arm.
Und wenn er dann an meinem Busen weilt,
ist es so schön, wenn man was teilt.
Du
bist jetzt groß
Du
bist jetzt groß, mein Sohn,
und ich weiß sehr lange schon,
dass ich dich nicht länger halten will und kann:
du bist kein Kind mehr, bist ein Mann.
Du
siehst gut aus, wie der, den ich geliebt
und den es für mich nicht mehr gibt.
Dass
die Mädchen nach dir sehn,
macht mich stolz und kann ich gut verstehn.
Vielleicht war eine schon mit dir im Bett,
und du warst lieb und zärtlich, nicht nur nett.
Du
wirst bestimmt ein Mann, der zählt,
doch, um Gottes Willen, sei kein Held,
der die Kastanien aus dem Feuer holt -
das hab ich nie für dich gewollt.
Wie
kühn auch immer deine Träume sind:
für mich bleibst du für alle Zeit - mein Kind.
Ballade
vom Telefon
Thomas
Alva Edison
erfand das Telefon.
Ohne diesen Apparat
wär das Leben fad,
und mit einem Handy
ist man richtig trendy.
Überall und spielend leicht
wird man von jedermann erreicht.
Nur
der eine Mann
ruft nicht an!
Ich schleiche um das Telefon herum,
doch es bleibt stumm.
Er ruft sicher an.
Aber wann?
Oder
soll ich seine Nummer wählen?
Doch was soll ich ihm erzählen?
Soll ich nach dem Wetter fragen
oder ihm die Meinung sagen?
Oder soll ich vielleicht lüstern
Liebesdinge flüstern?
Denkt
er nicht an mich?
Das Warten ist doch fürchterlich.
Endlich
klingelts, und ich bin
glücklich, greif zum Hörer hin,
streichele den Hörer,
diesen lieben Ruhestörer,
und melde mich mit „Ja?
Hier ist Ursula!“
und im nächsten Augenblick
tönt es „Sorry, verwählt!“ zurück.
Ich
knall den Hörer auf das Telefon.
Verflucht sei Thomas Alva Edison!
Ein
neues Kleid
Ich
steh vor der Boutique
und werf begehrlich meine Blicke
auf Kleider, Blusen, Röcke,
bis ich dies Traumkleid da entdecke:
so giftig grün und raffiniert
geschnitten - das wird anprobiert.
Ein
neues Kleid für einen neuen Traum:
vom Ausschnitt bis zum Saum
hüllt es mich ein,
zeigt meine Blöße.
So möcht ich sein -
mit einer ziemlich kleinen Größe.
Ich
lass die Hände gleiten
behutsam über weiche Seide,
halte erst einmal zur Probe
vor den Leib die schicke Robe:
vielleicht zu knapp, doch ungeniert
nehm ich es - jetzt wird anprobiert.
Ein
neues Kleid für einen neuen Traum:
vom Ausschnitt bis zum Saum
hüllt es mich ein,
zeigt meine Blöße.
So möcht ich sein -
mit einer ziemlich kleinen Größe.
Das
tiefe Decolltée
bringt ihn vielleicht auf ne Idee.
Und wie die Seide auf mir knistert
und von sündiger Versuchung flüstert.
Die Enge etwas irritiert.
Es macht nichts - ich hab’s anprobiert.
Ein
neues Kleid für einen neuen Traum:
vom Ausschnitt bis zum Saum
hüllt es mich ein,
zeigt meine Blöße.
So möcht ich sein -
mit einer ziemlich kleinen Größe.
Ich
kaufe mir den Fummel
und kehr von dem Einkaufsbummel
heim in freudiger Erregung:
ins Eheleben kommt Bewegung!
Ich ahne schon, wie’s ihn verführt -
heut Abend wird es ausprobiert!
Alleinsein
Keiner
will was.
Ich genieß das.
Der ganze Augenblick ist mein.
Ich bin für eine Ewigkeit allein.
Wie schön kann doch alleine sein!
Endlich
gibt der Wecker Ruh.
Die Fensterläden sind noch zu,
und kleine gelbe Kringel malen
durch einen Spalt die Sonnenstrahlen.
Wie ich aus dem Bett gestiegen bin,
setz ich mich zum Frühstück hin,
rühr versonnen in der Kaffeetasse,
die ich nachher einfach stehen lasse.
Ich denk nicht dran, mich anzuziehn -
vielleicht leg ich mich wieder hin?
Keiner
will was.
Ich genieß das.
Der ganze Augenblick ist mein.
Ich bin für eine Ewigkeit allein.
Wie schön kann doch alleine sein!
Über
mir ein Schmetterling,
und ein kleiner Vogel singt
für mich allein die Melodien,
die goldne Fäden durch den Himmel ziehn.
Durch des Apfelbaumes Zweige fällt
Sonnenlicht auf meine kleine Welt.
Sommerwolken segeln durch das Blaue,
während ich auf einem Grashalm kaue.
Ich lehn mich in das weiche Gras zurück
und fasse kaum mein kleines Glück.
Keiner
will was.
Ich genieß das.
Der ganze Augenblick ist mein.
Ich bin für eine Ewigkeit allein.
Wie schön kann doch alleine sein!
Feierabend
in der Stadt.
Die Straßenlichter zwinkern matt,
und draußen regnet es in Fäden.
Der Wind spielt mit den Fensterläden.
Doch ich sitz im Trockenen und schau
ganz teilnahmslos ins Wolkengrau.
Regentropfen an das Fenster schlagen,
und ich träum von heißen Sommertagen.
Ich lös mich auf in diesem blauen Traum
und liege wieder unterm Apfelbaum.
Keiner
will was.
Ich genieß das.
Der ganze Augenblick ist mein.
Ich bin für eine Ewigkeit allein.
Wie schön kann doch alleine sein!
Alles
Pasta
Rigate,
Penne, Tagliatelle,
Quadrucci, Ziti, Pappardelle.
Mezzaluna,
Gnocchi und Spaghetti,
Bucati, Sardi, Capelletti.
Ditali,
Farfalle, Makkaroni,
Cavatappi, Ruote, Rigatoni.
Cresti
di Gallo, Tortellini,
Lasagne, Mafaldini.
Ravioli,
Pipe, Garganelli,
Linguine, Conchiglie, Panatelli.
Maltagliati,
Orechiette und Anelli,
Agnolotti, Lasagnette und Fricelli.
Pansotti,
Trenette, Taglarini,
Gnobetti, Rotelle, Capellini.
Rissoni
und Stellini, Lumaconi,
Fettucine, Linguine, Cannelloni.
Cotelli,
Passatelli, Vermicelli,
Fusilli, Cavatielli, Tonarelli.
Alles
Pasta! Basta!
Ein
Gedicht
Ein
Gedicht so leicht...
kaum an Gewicht, und reicht
doch bis ins Herz
und trägt es himmelwärts.
Dort
strahlt es fern,
ein junger Stern,
und ist so kindhaft bang,
daß sein Gesang
nicht findet dieses Ohr,
an das es liebend sich verlor.
Es
glüht und singt,
bis es zerspringt
mit einem hellen Silberton,
und ahnte schon
beim ersten leisen Schlag
seinen Todestag.
Copyright
Manfred Wolff Bad Oeynhausen 2001