Mein Kiosk steht nicht an der Ecke, sondern im Internet

Zeitungen lesen ist eine meiner Lieblingsbeschäftigungen. Sie sind immer so herrlich frisch wie die Brötchen vom Bäcker eine Straße weiter, sie befriedigen meine durchaus ausgeprägte Neugier und sie erscheinen in einer Vielfalt, die andere wohlfeile Konsumangebote durchaus in den Schatten stellt. Im Gegensatz zu den Brötchen werden sie sogar ins Haus gebracht - das ist entweder früh um fünf, wenn der Hund zum ersten Mal einen Grund zum Bellen hat, oder gegen 9 Uhr, wenn das Stöhnen des Briefträgers von seiner aktuellen Last kündet. Sie haben nur einen Nachteil: sie kosten Geld!

Im Internet verschwindet nun auch noch dieser Nachteil: als ein Angebot von vielen rauschen auch die Zeitungen auf den Bildschirm, mehr als ich mir je kaufen könnte, und alles inclusive in der Flatrate. Da liest man doch gern eine Zeitung mehr. Aber auch dieses Angebot hat einen Haken: es will einfach nicht gelingen, auch nur eine der Zeitungen, die da durch die Leitung angeflogen kommt, mit auf jenen stillen Ort zu nehmen, der sich so vorzüglich zum Zeitunglesen eignet ...

Einen ersten Einblick in die Vielfalt der deutschen und weltweiten Presse bietet Zeitungen. Hier findet der geneigte Leser alles, was die deutsche Lokalpresse so vielfältig macht, regional und überregional, von der Süddeutschen Zeitung bis zur Neuen Osnabrücker, von der Neuen Westfälischen bis Neuen Züricher Zeitung. Daneben gibt es zahllose Links zu Wochenzeitungen, Illustrierten und Fachzeitungen und Fachzeitschriften.

Ich lese regelmäßig die Süddeutsche und den Berliner Tagesspiegel, aus alter Anhänglichkeit die Braunschweiger Zeitung, die Bremerhavener Nordseezeitung (da habe ich mal ein Volontariat gemacht und sie informiert hervorragend über Schifffahrt) und den Täglichen Anzeiger Holzminden. Die alte Tante FAZ wartet mitunter genauso geduldig auf meinen Zugriff wie die BILD.

Ein anderer interessanter Zugang zu den Tageszeitungen ist Paperball. Man gibt ein Suchwort ein und erhält alle Zeitungsartikel zu dem Suchwort, die an einem bestimmten Tag erschienen sind: manchmal etwas verwirrend, aber oft hilfreich, denn mitunter steht auch in einem "Käseblatt" was Gescheites.

Ein Leckerbissen unter den Portalen in die Welt des gedruckten Worts ist der Perlentaucher! Täglich holt er aus den Tiefen der Feuilletons die interessantesten Artikel zu Kunst, Kultur, Literatur und Geistesleben, kaum eine Buchneuerscheinung entgeht ihm, und die wichtigen Kulturzeitschriften werden regelmäßig vorgestellt und mit ihren aktuellsten Beiträgen zitiert. Ein Muss für jeden, der die Übersicht in der kulturellen Diskussion nicht verlieren will.

Natürlich liegen auch die Wochenzeitungen bereit  zur Lektüre. DIE ZEIT, Die Woche und Freitag decken ziemlich gut das Diskussionsspektrum ab; wer vom SPIEGEL nicht lassen kann, findet ihn ebenfalls innerhalb seines Nachrichtenportals (dessen Kulturberichterstattung recht dürftig ist). Leider haben diese Blätter die Angewohnheit, nur einen Teil  der Texte ins Netz zu stellen - wir sollen wohl die Printausgabe kaufen! - aber mit ein bisschen Geduld erhält man den Rest dann nach einer Woche, und was wirklich von Wert ist, ist es auch dann noch.

Das Beste ist: alles das gibt es im Internet umsonst, was die Gebühren für eine Flatrate schon deshalb erträglich macht, wenn man die Abonnementskosten dagegen rechnet. Und weil das Gelesene mit einem Mausklick im elektronischen Orkus verschwindet, ist die Zeitungslektüre im Netz auch noch umweltfreundlich. Da kann man es verschmerzen, dass die Zeitungen uns im Netz die Klein- und Familienanzeigen vorenthalten ...